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Wann sollten Eltern oder Lehrer an eine Lese- Rechtschreibschwäche denken?
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Legasthenie - Lese- / Rechtschreibschwäche (LRS)

Die Ausgangssituation

Das Kind hat große Probleme beim Lesen und Schreiben. Es hat die erste Klasse hinter sich gebracht, kann aber kaum oder gar nicht lesen und kann selbst lautgetreue Wörter nicht richtig schreiben.
Auch in den folgenden Schuljahren wird beim Lesen Buchstabe an Buchstabe gereiht - mühsam Wort für Wort gelesen, teilweise geraten. Das Ergebnis dieser für das Kind "harten" Arbeit: der Sinn des Wortes, Satzes oder Textes wurde nicht verstanden. Beim Schreiben ist es ähnlich. Eine Diktatseite ist mit Fehlern übersät, teilweise sind Wörter überhaupt nicht leserlich, die Schrift ist miserabel ... und das alles trotz großem Einsatz an Zeit und Nerven.
Der erwartete Erfolg bleibt aus, statt dessen gibt es ein Misserfolgserlebnis nach dem anderen. Der Lehrer ist der Meinung, zu Hause müsse einfach mehr geübt werden; die Eltern wissen nicht, was und vor allem wie sie noch üben sollen - Verzweiflung macht sich breit, es wird geschimpft und gedroht. Für das Kind bricht eine Welt zusammen, weil es doch geübt und sein Bestes getan hat. Der Druck auf das Kind wächst. Es wird noch mehr geübt, dafür gibt es weniger Freizeit. Aber auch die Mehrübungen und evtl. "verordnete" Nachhilfestunden zeigen keine Wirkung auf die Lese- und Schreibleistungen des Kindes. Aber mit Sicherheit gibt es Auswirkungen auf die Persönlichkeit: manche Kinder werden ängstlicher und zurückhaltender, andere aggressiv; aber bei vielen wird man Schulangst und Schulunlust beobachten. Das Kind fühlt sich unfähig und wertlos.

Was ist Legasthenie

Als Legasthenie wird eine ausgeprägte Lernstörung in den Bereichen Lesen und Rechtschreiben bezeichnet, die nicht auf mangelnde Beschulung, niedrige Intelligenz oder fehlende Lernbereitschaft zurückzuführen ist.
In den meisten Fällen treten Lese- und Rechtschreibprobleme gemeinsam auf.
 
Für das Lesen sind charakteristisch:

  • niedrige Lesegeschwindigkeit
  • häufiges Stocken
  • Verlieren der Zeile im Text
  • Auslassen, Vertauschen oder Hinzufügen von Wörtern, Silben oder einzelnen Buchstaben
  • unzureichende Wiedergabe und Interpretation des Gelesenen

 
Für die Rechtschreibung sind charakteristisch:

  • hohe Fehlerzahl bei ungeübten Diktaten aber auch bei abgeschriebenen Texten
  • Wörter werden teilweise fragmenthaft geschrieben
  • im selben Text wird ein und dasselbe Wort häufig mehrfach unterschiedlich falsch geschrieben
  • auffallend viele Grammatik- und Interpunktionsfehler
  • oft unleserliche Handschrift.

Lese- und Rechtschreibschwierigkeiten treten ebenfalls im Fremdsprachenunterricht auf. Schwierigkeiten beim Lesen und vor allem die mangelhafte Sinnentnahme können eine eingeschränkte Wissensaufnahme in den übrigen Lernfächern verursachen, weil z.B. im vorgegebenen Zeitrahmen das Wissen nicht aufgenommen bzw. niedergeschrieben werden kann. Legasthenie kann somit schnell dazu führen, dass die gesamte schulische Leistung erheblich beeinträchtigt wird.

Wann sollten Eltern oder Lehrer an eine Lese- Rechtschreibschwäche denken?

Für einzelne Altersabschnitte gibt es Kriterien, nach denen das Vorliegen einer Legasthenie vermutet werden kann:

Vorschulische Auffälligkeiten:

Folgende Auffälligkeiten kann man vereinzelt beobachten:

  • verzögerter Sprechbeginn
  • eingeschränktes Sprachverständnis
  • Sprachschwierigkeiten
  • Probleme beim Erkennen von Reimen und Silben

Es ist allerdings nicht möglich, bereits im Vorschulalter eine Legasthenie zu diagnostizieren oder zu behandeln.
Eine gute Vorhersage erlauben standardisierte Verfahren, z.B. das Bielefelder Screening zur Früherkennung von Lese-Rechtschreibproblemen (BISC). Dieses Verfahren wird in der zweiten Hälfte des letzten Kindergartenjahres eingesetzt. Wesentliche Faktoren, die im Zusammenhang mit der Entwicklung einer Legasthenie stehen, sind Einschränkungen in bestimmten Fähigkeiten, wie z.B. der Wahrnehmung und der Unterscheidung von Silben und Lauten.

Auffälligkeiten in Klasse 1-3:

Auch die folgenden Auffälligkeiten sind "Kann-Auffälligkeiten".
 
Beim Lesen:

  • Schwierigkeiten beim Verbinden von Lauten und Zusammenführen von Worten zu Sätzen
  • mangelndes inhaltliches Verstehen von Gelesenem
  • auffallend langsames Lesen

Beim Rechtschreiben:

  • Schwierigkeiten beim Unterscheiden und Schreiben einzelner Buchstaben
  • Probleme beim Umsetzen vom Gehörten ins Geschriebene
  • Weglassen oder Hinzufügen einzelner Buchstaben, Schreiben sogenannter Wortruinen
  • Probleme beim Abschreiben von Wörtern und Sätzen
  • unleserliche Schrift
  • hohe Fehlerquote bei ungeübten Diktaten
Zusätzliche Schwierigkeiten ab Klasse 3/4:

Die Leistungsdefizite aufgrund von eingeschränktem, d.h. verlangsamtem oder fehlerhaftem Lesevermögen und mangelhafter Rechtschreibung machen sich auch in anderen Fächern bemerkbar. Obwohl sich Eltern und Kinder sehr bemühen, durch häufiges Üben die Leistung zu verbessern, macht das Kind nur geringe, teilweise gar keine Fortschritte. Oft wird zu Unrecht schuldhaftes Versagen vermutet.

Ursachen

In den vergangenen Jahren wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt, um die Ursachen der Legasthenie zu finden. Es liegen eine Reihe von interessanten Erkenntnissen auf unterschiedlichen Gebieten vor. Im wesentlichen werden zu den Ursachen der Lese-Rechtschreibschwäche gezählt:

Genetische Disposition

Eine familiäre Häufung der Lese-Rechtschreibschwäche wurde in mehreren Studien beschrieben. Das Wiederholungsrisiko für Geschwister liegt nach wissenschaftlichen Erkenntnissen zwischen 38-62%.

Störungen im visuellen Informationssystem

Hierbei geht es um Schwächen bei der Worterkennung und Wortverarbeitung. Es wird vermutet, dass Hirnregionen, die z.B. bei der Wahrnehmung von Buchstaben aktiviert werden, weniger leisten. Auch der Zusammenhang mit Blickbewegungen wird untersucht.

Störungen im akustischen Informationssystem

Die Wahrnehmung von Sprache und die Verarbeitung von Lauten sind die Grundvoraussetzung für das Lesen- und Schreibenlernen. Eine ganz wesentliche Rolle spielt dabei die Lautbewusstheit.

Diagnostik

Eine Legasthenie-Diagnostik ist in jedem Fall eine multiaxiale Diagnostik.

Dazu gehören:

  • aktuelle psychosoziale Umstände d.h. ausführliche Anamnese
  • die Intelligenzdiagnostik mittels standardisierter Testverfahren.
  • die Lese-/Rechtschreibdiagnostik mittels standardisierter und informeller Testverfahren.
  • neurologische Befunde
  • die körperliche Symptomatik
    z.B. Hör- und Sehtest, Überprüfung von Visuomotorik, Konzentrationsfähigkeit, Lateralität, visueller und auditiver Wahrnehmungsverarbeitung.

Aus dieser umfassenden Diagnostik kann auf das Vorliegen einer Legasthenie geschlossen werden. Gleichzeitig werden die Ursachen der Lernstörung aufgedeckt und Möglichkeiten einer optimalen Förderung aufgezeigt.

Therapie

Eine Therapie sollte ganzheitlich angelegt sein, d.h. sie muss der Gesamtpersönlichkeit des einzelnen Kindes gerecht werden. Ein wichtiger Fakt ist dabei, dass Legasthenie möglichst frühzeitig festgestellt wird und somit als Ursache für das Scheitern in der Schule anerkannt wird. Da die ständigen Misserfolge weitere negative Folgen, auch im gesundheitlichen Bereich - nach sich ziehen, ist die Stärkung des Selbstwertgefühles ein zentraler Punkt der Legasthenie-Förderung. Ganz wichtig ist in diesem Zusammenhang der Rückhalt in der Familie. Legasthene Kinder können sich nur positiv entwickeln, wenn sie von ihren Eltern trotz schlechter Leistungen anerkannt werden. Quälendes Üben zu Hause und der Druck, besser werden zu müssen, können sehr belasten.

Tipps für Eltern

Lassen Sie sich von niemandem einreden, eine Legasthenie wachse sich mit der Zeit aus oder verschwinde irgendwann von selbst. Legasthene Kinder brauchen Hilfe, sonst kann sich ihr Handikap schnell zu einer bleibenden seelischen und sozialen Beeinträchtigung auswachsen.
 
Bringen Sie Verständnis für Ihr Kind auf. Schimpfen Sie nicht über schlechte Leistungen, machen Sie ihm keine Vorwürfe, verzichten Sie auf herabsetzende Bemerkungen oder Vergleiche mit Geschwistern. Loben Sie es für jede Anstrengung, für jede noch so kleine Leistung. Machen Sie ihm Mut und stärken Sie seine Zuversicht. Quälen Sie es nicht mit sinnlosen Übungen.
 
Sprechen Sie mit dem Klassenlehrer ab, auf welche Weise die Klasse von der Schwäche Ihres Kindes erfahren soll. Es ist sehr wichtig, dass die Mitschüler erklärt bekommen, warum Ihr Kind mit dem Lernen Schwierigkeiten hat. Auf diese Weise können ihm Hänseleien und Ausgrenzung erspart bleiben und es lernt, dass man sich für eine Legasthenie nicht zu schämen braucht.
 
Auch wenn die Schule selbst keine Legasthenietherapie anbieten kann, so hat sie nicht das Recht, einem legasthenen Kind jede Unterstützung zu verweigern, es nur Klassen wiederholen zu lassen oder es gar an die Förderschule loswerden zu wollen. Auch Kinder mit Teilleistungsschwächen sind mindestens durchschnittlich begabt.
 
In vielen Fällen haben Legastheniker Anspruch auf finanzielle Eingliederungshilfe (Erstattung der Kosten für eine außerschulische Therapie) nach dem Kinder- und Jugendhilfegesetz. Jugendhilfebehörden versuchen Antragsteller meist abzuschrecken - bleiben Sie hartnäckig.
 
Suchen Sie für außerschulische Hilfe eine wirklich geeignete Therapieeinrichtung. Ihrem Kind hilft nur eine wirkliche Therapie, Nachhilfeunterricht bleibt bei Legasthenikern ohne Wirkung.
Eine geeignete Therapieeinrichtung erstellt für die speziellen Beeinträchtigungen Ihres Kindes einen individuellen Trainingsplan und bietet Ihrem Kind Einzeltherapiestunden.
 
Eine gute Legasthenietherapie ist kein reines Lerntraining. Sie verbindet heilpädagogischen Unterricht mit Maßnahmen zur Stützung des Selbstwertgefühls, zum Abbau von Versagensängsten und zur Entwicklung eines positiven Selbstkonzepts.
 
Für eine erfolgreiche Therapie ist eine positive Beziehung zwischen Kind und Therapeut Voraussetzung, das heißt, Vertrauen von Seiten des Kindes und der "Glaube an die Fähigkeiten des Kindes" von Seiten des Therapeuten. - Wenn ein Kind nicht gern zur Therapie geht, weil es Angst davor hat, sich überfordert fühlt oder den Therapeuten nicht mag (oder das Gefühl hat, dass er/sie es nicht mag), dann ist das ein Grund, die Therapie abzubrechen.
 
Eine gute Therapie hilft dem betroffenen Kind mit einem geeigneten didaktischen und methodischen Konzept, trotz seiner Wahrnehmungsschwächen zum schulischen Lernerfolg zu gelangen. Dennoch wird auch ein Legastheniker immer mehr Anstrengung und Mühe investieren müssen um denselben Lernerfolg zu erzielen wie ein gleich begabter Nichtbetroffener.
Auf Therapien, die direkt die Wahrnehmungsverarbeitung verbessern sollen, sollten Sie sich nicht ausschließlich verlassen, denn sie helfen bestenfalls einem Teil der Betroffenen und dies auch nur zu einem gewissen Grad.

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